Briefpost & E-Mail im Wandel: Zahlen und Statistik aus Deutschland & weltweit

Briefe haben über Jahrzehnte unseren Alltag, Behördenwege und persönliche Kommunikation geprägt: vom handgeschriebenen Gruß bis zum wichtigen Geschäftsschreiben. Doch während der klassische Brief zunehmend seltener wird, ist die E-Mail längst zum selbstverständlichen Bestandteil unseres Alltags geworden.

Briefpost & E-Mail im Wandel_ Zahlen und Statistik aus Deutschland & weltweit

Wie deutlich sich dieser Wandel inzwischen in den Zahlen zeigt, welche Unterschiede es zwischen Deutschland und anderen Ländern gibt und warum die klassische Post dennoch keineswegs verschwunden ist, zeigt ein Blick auf aktuelle statistische Daten:

In Deutschland werden deutlich weniger Briefe befördert

Die Entwicklung des deutschen Briefmarkts lässt sich an den dokumentierten Sendungsmengen klar ablesen. Im Jahr 2022 wurden insgesamt 11,93 Milliarden Briefsendungen befördert. 2023 waren es noch 10,92 Milliarden. Das entspricht einem Rückgang von rund 8,5 Prozent innerhalb eines Jahres.

Die Zahlen beziehen sich auf den von der Bundesnetzagentur erfassten Briefmarkt und umfassen sowohl die Deutsche Post DHL als auch Wettbewerbsunternehmen. Für 2023 entfielen 9,51 Milliarden Sendungen auf die Deutsche Post DHL und 1,40 Milliarden auf Wettbewerber. Im Vorjahr waren es 10,20 beziehungsweise 1,73 Milliarden Sendungen gewesen.

11,93 Mrd. Briefsendungen insgesamt in Deutschland 2022
10,92 Mrd. Briefsendungen insgesamt in Deutschland 2023
87,8 % E-Mail-Nutzung in Deutschland bei Personen von 16 bis 74 Jahren, 2025
Briefsendungen in Deutschland: Ist-Werte und damalige Prognose
Briefsendungen in Deutschland 2022, 2023 und Prognose 2024 Säulendiagramm mit 11,93 Milliarden Briefsendungen 2022, 10,92 Milliarden 2023 und einer damaligen Prognose von 10,34 Milliarden für 2024. 0 3 6 9 12 11,93 10,92 10,34 2022 2023 2024p Einheit: Milliarden Briefsendungen

Quelle: Bundesnetzagentur, Briefmarktbericht 2024. Datenzeitraum: 2022 bis 2024p. Region: Deutschland. Grundgesamtheit: im Bericht erfasste Briefsendungen der Deutsche Post DHL und der Wettbewerbsunternehmen. Einheit: Milliarden Sendungen. „2024p“ bezeichnet die im Bericht veröffentlichte Prognose der Marktteilnehmer und keinen Ist-Wert. Eigene Visualisierung auf Basis der Quelle.

Briefsendungen in Deutschland laut Briefmarktbericht
Jahr Gesamt Deutsche Post DHL Wettbewerber
2022 11,93 Mrd. 10,20 Mrd. 1,73 Mrd.
2023 10,92 Mrd. 9,51 Mrd. 1,40 Mrd.
2024p 10,34 Mrd. 9,04 Mrd. 1,29 Mrd.

Wichtig für die Einordnung: Die 2024-Werte stammen aus damaligen Unternehmensprognosen des Briefmarktberichts. Sie sind deshalb methodisch anders zu behandeln als die für 2022 und 2023 berichteten Ist-Werte.

E-Mail ist in Deutschland nahezu flächendeckend verbreitet

Parallel zum rückläufigen Briefaufkommen ist E-Mail als Kommunikationsform sehr weit verbreitet. Für Deutschland weist der dokumentierte Eurostat-Datensatz für 2025 einen Anteil von 87,8 Prozent aus. Die Grundgesamtheit sind Personen im Alter von 16 bis 74 Jahren; gemessen wird, ob das Internet zum Senden oder Empfangen von E-Mails genutzt wurde.

Diese Zahl beschreibt keine Anzahl versendeter Nachrichten. Ein Anteil von 87,8 Prozent lässt deshalb keinen direkten Mengenvergleich mit den 10,92 Milliarden Briefsendungen zu. Die beiden Statistiken beantworten unterschiedliche Fragen: Die Briefmarktstatistik misst physische Sendungsmengen, während die Eurostat-Erhebung den Anteil von Personen beschreibt, die eine bestimmte Internetaktivität nutzen.

Auch ein kausaler Schluss wäre zu weitgehend. Dass Briefmengen zurückgehen und E-Mail verbreitet ist, dokumentiert zwei parallel beobachtete Entwicklungen. Die verfügbaren Zahlen allein beweisen jedoch nicht, welcher Anteil des Briefmengenrückgangs unmittelbar durch E-Mail ersetzt wurde. Andere Kommunikationsformen oder Veränderungen bei geschäftlicher Korrespondenz werden durch diesen Vergleich nicht separat gemessen.

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Europa zeigt große Unterschiede bei der E-Mail-Nutzung

Der internationale Vergleich innerhalb der Europäischen Union basiert auf derselben statistischen Kennzahl und demselben Erhebungsjahr. Für die EU-27 ergibt sich 2025 ein Wert von 81,6 Prozent. Deutschland liegt mit 87,8 Prozent darüber. Die Niederlande erreichen 97,7 Prozent, während für Rumänien 46,0 Prozent ausgewiesen werden.

Weil die Werte aus derselben Eurostat-Systematik stammen, lassen sie sich grundsätzlich besser nebeneinanderstellen als Statistiken aus voneinander unabhängigen nationalen Untersuchungen. Trotzdem beschreibt auch dieser Vergleich lediglich den Anteil der 16- bis 74-Jährigen, der E-Mail als Internetaktivität nutzt. Er misst weder die Zahl der tatsächlich verschickten E-Mails noch deren geschäftliche oder private Bedeutung.

E-Mail-Nutzung in ausgewählten europäischen Vergleichsräumen
E-Mail-Nutzung in Deutschland, EU-27, Niederlande und Rumänien Horizontales Balkendiagramm. Niederlande 97,7 Prozent, Deutschland 87,8 Prozent, EU-27 81,6 Prozent und Rumänien 46,0 Prozent im Jahr 2025. 0 20 40 60 80 100 % Niederlande 97,7 % Deutschland 87,8 % EU-27 81,6 % Rumänien 46,0 % Anteil der Personen von 16 bis 74 Jahren

Quelle: Eurostat, Indikator „Individuals using the internet for sending/receiving e-mails“ (tin00094). Datenzeitraum: 2025. Region: Deutschland, EU-27, Niederlande und Rumänien. Grundgesamtheit: Personen von 16 bis 74 Jahren. Einheit: Prozent. Die Werte beschreiben Nutzung, nicht das Nachrichtenvolumen. Eigene Visualisierung auf Basis der Quelle.

E-Mail-Nutzung im europäischen Vergleich, Datenstand 2025
Gebiet Anteil Grundgesamtheit Jahr
Niederlande 97,7 % Personen 16–74 Jahre 2025
Deutschland 87,8 % Personen 16–74 Jahre 2025
EU-27 81,6 % Personen 16–74 Jahre 2025
Rumänien 46,0 % Personen 16–74 Jahre 2025

Das weltweite Postnetz bleibt trotz Digitalisierung sehr groß

Der Rückgang klassischer Briefmengen bedeutet nicht, dass postalische Infrastruktur international bedeutungslos geworden wäre. Die Weltpostunion beziffert die durch Postdienste erreichte Bevölkerung für 2024 auf 7,3 Milliarden Menschen. Zum historischen Vergleich nennt sie für 1874 rund 600 Millionen Menschen.

Für die weltweite postalische Infrastruktur werden außerdem etwa 4,6 Millionen Beschäftigte und mehr als 679.000 Poststellen genannt. Diese Kennzahlen messen allerdings etwas anderes als Briefmengen. Sie beschreiben die Reichweite und physische Struktur des Postsektors und erlauben deshalb keine Aussage darüber, wie häufig einzelne Menschen tatsächlich Briefe versenden oder empfangen.

Die internationale Perspektive zeigt damit zwei unterschiedliche Ebenen: Einerseits dokumentieren die Daten den Rückgang klassischer Briefvolumina. Andererseits besteht ein sehr weitreichendes physisches Postnetz fort. Infrastruktur, Beschäftigung, Erreichbarkeit und tatsächliches Sendungsaufkommen sollten daher analytisch getrennt betrachtet werden.

7,3 Mrd. Menschen, die 2024 durch Postdienste erreicht wurden
4,6 Mio. Beschäftigte im weltweiten Postsektor
>679.000 Poststellen weltweit

Briefpost und E-Mail beschreiben keinen direkten Eins-zu-eins-Wechsel

Zusammengenommen zeigen die Daten einen strukturellen Unterschied zwischen physischer und digitaler Kommunikation. In Deutschland ging die Zahl der erfassten Briefsendungen von 2022 auf 2023 deutlich zurück. Gleichzeitig nutzte 2025 ein sehr großer Teil der 16- bis 74-Jährigen E-Mail. Auf europäischer Ebene zeigt sich ebenfalls eine hohe, aber zwischen den Ländern unterschiedlich ausgeprägte Verbreitung.

Daraus lässt sich jedoch nicht berechnen, wie viele Briefe durch eine bestimmte Zahl von E-Mails ersetzt wurden. Eine Person kann täglich zahlreiche E-Mails versenden oder E-Mail nur gelegentlich nutzen. Die Eurostat-Kennzahl unterscheidet diese Intensität nicht. Umgekehrt können Briefsendungen von Unternehmen, Behörden oder anderen Organisationen stammen und sind deshalb nicht unmittelbar personenbezogen.

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Der sachgerechte Vergleich lautet daher: Das physische Briefvolumen ist rückläufig, während E-Mail bei der Bevölkerung sehr weit verbreitet ist. Die Daten stützen diese beiden Beobachtungen. Sie liefern aber keinen experimentellen Nachweis dafür, dass die eine Entwicklung allein die andere verursacht.

Grenzen und Vergleichbarkeit der Statistik

Für die Interpretation sind mehrere methodische Grenzen entscheidend. Erstens stammen die dargestellten Kennzahlen aus unterschiedlichen Erhebungsjahren. Die deutschen Brief-Ist-Werte beziehen sich auf 2022 und 2023, während die E-Mail-Nutzung für 2025 ausgewiesen wird. Der im Briefmarktbericht enthaltene Wert für 2024 ist ausdrücklich eine damalige Prognose.

Zweitens unterscheiden sich die Messeinheiten grundlegend. Briefmarktstatistiken zählen Sendungen in Milliarden Stück. Die E-Mail-Statistik misst dagegen den prozentualen Anteil einer definierten Bevölkerungsgruppe. Globale UPU-Kennzahlen zur erreichten Bevölkerung, zu Beschäftigten und Poststellen wiederum beschreiben Infrastruktur und Reichweite. Diese Größen können sinnvoll nebeneinandergestellt, aber nicht rechnerisch direkt miteinander verrechnet werden.

Drittens hängt die internationale Vergleichbarkeit von einheitlichen Definitionen ab. Bei Eurostat liegt für die dargestellten europäischen Werte derselbe Indikator zugrunde. Bei postalischen Statistiken können Definitionen von Briefsendungen, Marktsegmenten und erfassten Leistungen dagegen zwischen Quellen und Ländern abweichen. Internationale Briefmengen sollten deshalb nicht ohne Prüfung der jeweiligen Methodik zu einem einfachen Länderranking zusammengeführt werden.

Schließlich können Branchenberichte eigene institutionelle Perspektiven besitzen. Deshalb ist entscheidend, zwischen erhobenen Messwerten, Prognosen und interpretierenden Aussagen zu unterscheiden. Die hier dargestellten Schlussfolgerungen beschränken sich auf das, was aus den dokumentierten Datensätzen unmittelbar abgeleitet werden kann.

Quellen

Hinweis zur Datenbasis: Der Beitrag ist eine klar abgegrenzte statistische Momentaufnahme. Ältere Ist-Werte und ausdrücklich als Prognose gekennzeichnete Werte werden nicht mit später veröffentlichten Datenständen vermischt.

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Benjamin Naue, - Jurist, Sabine Scheuer, - Rechtsberaterin, David Wichewski, - Anwalt, sowie Ferya Gülcan, Unternehmerin, Gründerin, Vertragserfahren in B2B & B2C, Betreiberin und Redakteurin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps, Anleitungen und Ratgeber für Verbraucher zum Thema Recht, Schriftverkehr und Kommunikation. Die Inhalte des Informationsangebots stellen keine Rechtsberatung dar - somit ersetzen die Inhalte auch keine rechtliche Beratung.

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