Lebensversicherung beitragsfrei stellen – Infos, Tipps & Vorlage, Teil 1

Lebensversicherung beitragsfrei stellen – Infos, Tipps & Vorlage, Teil 1

Durch die Gebühren und Provisionen ist eine Kapital-Lebensversicherung vergleichsweise teuer und die versprochenen Renditen bleiben oft hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem ist die Lebensversicherung hierzulande nach wie vor eines der beliebtesten Anlageprodukte für die private Altersvorsorge überhaupt.

Lebensversicherung beitragsfrei stellen - Infos, Tipps & Vorlage, Teil 1

Ein Grund hierfür ist, dass die Lebensversicherung zu den sehr sicheren Geldanlagen zählt. Ein anderer Grund ist, dass der Versicherte nicht nur Geld fürs Alter ansparen kann. Vielmehr sichert die Versicherung auch die Angehörigen ab, falls dem Versicherungsnehmer etwas zustoßen sollte.

Hinzu kommt, dass der Vertrag über viele Jahre läuft. Deshalb lässt sich ein solides Finanzpolster auch mit recht kleinen Monatsbeiträgen aufbauen.

Aber gerade die lange Laufzeit kann zum Stolperstein werden. Schließlich kann der Versicherte kaum vorhersehen, was in 20 oder 30 Jahren sein wird. Und so ist auch nicht auszuschließen, dass er die Prämien nicht die ganze Zeit über in unveränderter Höhe zahlen kann.

Eine vorzeitige Kündigung der Lebensversicherung ist nur selten eine gute Idee. Denn der Lebensversicherer zahlt dann zwar den Rückkaufswert aus. Nur ist dieser meist niedriger als das, was der Versicherer eingezahlt hat. Zudem sind vor allem ältere Verträge gut verzinst. Solche Zinsen wird der Versicherte bei anderen Geldanlagen heute kaum noch finden.

Eine sinnvolle Lösung kann deshalb sein, die Lebensversicherung beitragsfrei zu stellen. Das ist sowohl vorübergehend als auch dauerhaft möglich.

In einem zweiteiligen Beitrag haben wir die wichtigsten Infos und Tipps zur Beitragsfreistellung zusammengetragen. Und eine Vorlage für den Versicherer gibt’s obendrauf:

Wenn die Beitragszahlung vorübergehend pausieren soll

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie eine Lebensversicherung beispielsweise bei einem finanziellen Engpass zeitweise stillgelegt werden kann. Tatsächlich nutzen das auch viele Versicherte. Umfragen zeigen, dass rund jede vierte Lebensversicherung beitragsfrei gestellt ist.

Statt die Beitragszahlung komplett auszusetzen, kann der Versicherte die Beiträge senken. Das ist möglich, indem er eine niedrigere Versicherungssumme vereinbart.

Durch die gesenkte Ablaufleistung reduziert sich auch die Höhe der Prämien. Daneben kann der Versicherte eine enthaltene Dynamik aus dem Vertrag nehmen oder eingeschlossene Zusatzleistungen, auf die er verzichten kann, streichen.

Mit welcher Lösung der Versicherte am besten beraten ist, hängt immer vom Einzelfall ab.

Kann oder will er die Beiträge zur Lebensversicherung eine gewisse Zeit lang nicht bezahlen, stehen jedenfalls folgende Wege zur Auswahl:

Die Beiträge stunden

Viele Versicherer bieten an, die Prämien zu stunden. Meist ist das für einen Zeitraum von einem Jahr, teilweise auch von zwei Jahren möglich. Während der Stundung bezahlt der Versicherte keine Beiträge.

Die Versicherung läuft aber trotzdem weiter und alle Leistungen bleiben bestehen. Die Verzinsung des Guthabens wird ebenfalls unverändert fortgesetzt. Deshalb sinkt die Ablaufleistung nicht.

Dass sich an der Versicherungssumme nichts ändert, erklärt sich damit, dass der Versicherte die gestundeten Prämien nachzahlen muss. Zusätzlich dazu werden außerdem meist Zinsen fällig.

Eine Stundung kommt deshalb eigentlich nur dann in Frage, wenn der Versicherte tatsächlich in einem kurzzeitigen finanziellen Engpass steckt und sicher weiß, dass er die gestundeten Beiträge samt Zinsen am vereinbarten Stichtag bezahlen kann.

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Überschüsse für die Prämienzahlung nutzen

Läuft die Lebensversicherung schon länger, sind in der Zwischenzeit Überschüsse zusammengekommen. Diese Überschüsse kann der Versicherte für die Finanzierung der laufenden Prämien verwenden. Auf diese Weise bleibt der Versicherungsschutz bestehen und der Versicherte muss später nichts nachzahlen.

Die Beitragszahlung aus den Überschüssen funktioniert aber natürlich nur solange, bis diese aufgebraucht sind. Und ein Minuspunkt bei dieser Lösung ist, dass die Auszahlung später ein ganzes Stück niedriger ausfällt.

Denn die Überschüsse, die der Versicherte dann verzinst erhalten hätte, hat er ja bereits für die Zahlung der Versicherungsbeiträge genutzt.

Die Lebensversicherung beitragsfrei stellen

Lässt der Versicherte seine Police beitragsfrei stellen, ist die Lebensversicherung gewissermaßen stillgelegt. Er zahlt dann zunächst keine weiteren Beiträge mehr ein. Ist eine Zusatzversicherung wie zum Beispiel eine Unfall- oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung in den Vertrag eingeschlossen, entfällt der Schutz daraus aber auch.

Möchte der Versicherte den Zusatzschutz beibehalten, muss er deshalb abwägen. Er sollte sich bei seinem Versicherer erkundigen, ob die zusätzliche Versicherung nicht in einen eigenen Vertrag überführt werden kann. Das ist in vielen Fällen möglich und oft kostengünstiger als der Abschluss einer komplett neuen Versicherung.

Durch die Beitragsfreistellung reduziert sich die Versicherungssumme. Weil der Versicherte weniger Geld eingezahlt hat, spart er auch weniger Guthaben für die Ablaufleistung und eine Auszahlung im Todesfall an.

Die Verwaltungskosten, die trotz der Beitragsfreistellung weiterlaufen, reduzieren das Guthaben zusätzlich. Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung wird das Fondsvermögen niedriger.

Soll die Lebensversicherung nur zeitweise beitragsfrei gestellt werden, muss der Versicherer seine Zustimmung erteilen. Dabei sind die Versicherer in aller Regel einverstanden, wenn die Beitragsfreistellung maximal ein oder zwei Jahre andauern soll.

Voraussetzung ist aber immer, dass die angesparte Versicherungssumme schon eine bestimmte Höhe erreicht hat. Ist die Mindest-Versicherungssumme noch nicht angespart, kann der Versicherer die Beitragsfreistellung verweigern und stattdessen den Vertrag auflösen und den Rückkaufswert auszahlen.

Manche Versicherer bieten auch an, den Vertrag nicht beitragsfrei, sondern ruhend zu stellen. Dadurch liegt der Vertrag gewissermaßen auf Eis. Der Vertrag bleibt also bestehen, aber der Versicherungsschutz pausiert.

Erst wenn der Versicherte die Beitragszahlung wieder aufnimmt, lebt auch der Versicherungsschutz erneut auf. Die Beiträge für die Zeit, in der die Police geruht hat, muss der Versicherte nicht nachzahlen. Das lässt aber auch die Ablaufleistung entsprechend sinken.

Im 2. Teil schauen wir uns an, wie der Versicherte seine Police dauerhaft beitragsfrei stellen kann und wie er eine Beitragsfreistellung beantragt.

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Benjamin Naue, 48 Jahre, Jurist, Sabine Scheuer, 41 Jahre, Rechtsberaterin, David Wichewski, 37 Jahre , Anwalt, sowie Ferya Gülcan, Betreiberin und Redakteurin dieser Webseite, schreiben hier Wissenwertes, Tipps, Anleitungen und Ratgeber für Verbraucher zum Thema Recht, Schriftverkehr und Kommunikation.

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